Im Mai 2026 fahren wir für zwei Wochen nach Südengland. Mit dabei sind Michaels Cousine und ihr Mann. Mit einem Mietauto durchqueren wir Englands Südwesten: über die Grafschaften Hampshire, Dorset und Devon erreichen wir Cornwall und schließlich Land’s End, den westlichsten Punkt Englands. Auf der Rückreise kommen wir noch durch Somerset.
Auf dem Programm stehen einige der berühmten gotischen Kathedralen, Gärten und Herrenhäuser, Burgen und prähistorische Stätten, romantische Hafenorte und nicht zuletzt die Landschaft: Dartmoor und Exmoor und die vielfältigen Küstenformationen mit steilen Klippen und idyllischen Sandbuchten.
Wir übernachten hauptsächlich in Ferienapartments, weil wir an einigen Orten länger bleiben und wir so mehr Platz und Komfort haben.
Nach der Landung in Heathrow übernehmen wir unser Mietauto (einen VW Caddy mit Automatik) und auf geht’s nach Winchester, unserer ersten Etappe.
Winchester
Winchester war in angelsächsischer Zeit vom 9. Jahrhundert bis zur Eroberung Englands durch die Normannen englische Hauptstadt.
Die Kathedrale stammt aus normannischer Zeit, die ältesten Bauteile sind von 1079. Mit einer Länge von 168 m ist das Langhaus das längste gotische Hauptschiff Europas. Im 14. Jahrhundert wurde die Kathedrale im Perpendikelstil umgebaut.
An der Fassade besticht das riesige Westfenster, das aus den Glassplittern des im englischen Bürgerkrieg 1642 zerstörten Fensters wieder als Glasmosaik zusammengesetzt worden ist.
Die große Altarwand vor dem Hochaltar stammt aus dem 15. Jahrhundert, die in der Reformationszeit zerstörten Figuren wurden im 19. Jahrhundert ersetzt.
Das Taufbecken aus schwarzem belgischem Kalk (aus einem einzigen Block) wurde 1150 in Auftrag gegeben, das Relief an der Westseite stellt zwei Szenen aus dem Leben des heiligen Nikolaus dar: links die Errettung von drei Buben aus dem Salzfass eines Fleischhauers und rechts die Auferweckung eines ertrunkenen Buben.
Für Rosmarie durfte eine Reverenz Jane Austen gegenüber nicht fehlen: wir besuchen ihr Grab in der Kathedrale und sehen das Haus, in dem sie ihre letzten Lebenstage verbrachte.
Wir übernachten im George Inn in Amesbury, einer alte Poststation aus dem 16. Jahrhundert.
Am nächsten Tag stehen Stonehenge und Salisbury auf dem Programm:
Stonehenge
Das 5.000 Jahre alte Stonehenge war in der Bronzezeit die größte Tempelanlage Englands, deren Ausrichtung Sonnenstände und Jahreszeiten markierten. Stonehenge war Mittelpunkt einer Umgebung aus Hügelgräbern und anderen Kultstätten. Der Kern der Anlage besteht aus einem „Altarstein“ in einem inneren (kleinen) Hufeisen aus „Blausteinen“ (einem Basalt, der aus Wales stammt) und einem äußeren Ring aus „Sarsen-Steinen“ (lokalen Sandsteinen). Die aufrechten Steine waren mittels Nut-Feder-Verbindungen mit einem Deckstein verbunden (Trilithe). Die gesamte Anlage war von zwei Erdwällen geschützt.
Im Außengelände des Museums stehen Nachbildungen der Behausungen aus der Bauzeit.
Die Kathedrale von Salisbury
Die Kathedrale von Salisbury ist in einer außergewöhnlich kurzen Bauzeit zwischen 1220 und 1258 im frühgotischen Stil errichtet worden. Dadurch wirkt sie architektonisch sehr einheitlich. Der markante Vierungsturm ist mit 123 Metern der höchste Kirchturm Großbritanniens.
Im achteckigen Kapitelsaal wird das am besten erhaltene der weltweit noch vier existierenden Originalexemplare der Magna Carta aufbewahrt. Die Magna Carta wurde 1215 vom englischen König Johann Ohneland unterzeichnet und schränkte erstmals die absolute Macht des Königs ein. Damit legte sie den Grundstein für grundlegende Bürgerrechte sowie das Prinzip, dass auch der Herrscher an das Gesetz gebunden ist.
Das moderne Taufbecken von William Pye (2008) besitzt eine spiegelglatte Wasseroberfläche, in der sich der Kirchenraum spiegelt. Das Becken ist immer randvoll gefüllt, das Wasser fließt an den Ecken ganz ruhig ab.
Lyme Regis
Das Hafenstädtchen Lyme Regis liegt an der „Jurassic Coast“, einem 150 Kilometer langen Küstenstreifen mit einer Klippen- und Buchtenlandschaft, die bedeutende Fossilienfunde (Ammoniten, Belemniten, Ichthyosaurier und Plesiosaurier) aus dem Erdmittelalter freigibt. Davon zeugt auch die außergewöhnliche Fossiliensammlerin Mary Anning (1799 – 1847), die mit dem Verkauf der von ihr und ihrem Bruder gesammelten Fossilien das Familieneinkommen aufbesserte. Sie entwickelte im Verlauf ihrer Sammlertätigkeit ein profundes wissenschaftliches Verständnis und entdeckte mehrere bedeutende Exemplare. Heute ist in ihrem Wohnhaus das Fossilienmuseum untergebracht.
Jane Austen Leser:innen kennen Lyme Regis aus ihrem Roman „Persuasion“, als Schauplatz einer Szene am „Cobb“, der Hafenmauer.
Kathedrale von Exter
Die Kathedrale von Exeter (Anfang 12. bis Ende 14. Jahrhundert) besitzt das längste durchgehende gotische Steingewölbe der Welt (ca. 100m). Es ist im Stil der englischen Hochgotik („Decorated Style“) von 1224–1369 gebaut. Das Kirchenschiff wirkt damit sehr einheitlich und elegant. Vom normannischen Bau sind noch die zwei gedrungenen Türme erhalten. Die Schlusssteine des Gewölbes sind mit Figurenschmuck versehen und bemalt.
Die Musikantengalerie (Minstrels‘ Gallery) verziert einen steinernen Balkon aus dem 14. Jahrhundert. Es sind zwölf Reliefs von Engeln, die mittelalterliche Musikinstrumente spielen.
Die Westfassade besticht durch den reichen Figurenschmuck rund um das Eingangsportal: Die unterste Reihe der Figuren zeigt Engel, die darüber liegende Könige, die in ihrer Funktion als Richter meistens mit gekreuzten Beinen dargestellt sind. Die oberste Reihe zeigt neben königlichen Gestalten zu beiden Seiten Apostel und Propheten.
Dartmoor
Das Dartmoor (Nationalpark) ist weniger ein Sumpf (englisch „bog“), als eine karge Heidelandschaft. Sanfte Hügel sind gekrönt von „Tors“, zerklüfteten, durch die Erosion gerundeten Granitfelsen, ähnlich der Wollsackverwitterung in der Blockheide. Bewachsen sind die Hügel mit Heidekraut und Ginster, der gerade leuchtend gelb blüht! im Dartmoor leben freilaufende, halbwilde Dartmoor-Ponys mit struppigem Fell. Die bei Schlechtwetter schaurig-nebelige Stimmung über der Landschaft hat Eingang in Doyles Sherlock-Holmes-Krimi „Der Hund der Baskervilles“ gefunden.
Bei unserem Besuch herrscht schönes Wetter, wir machen eine kleine Wanderung von Twobridges aus zum Wistmans Wood, einem Eichenwäldchen, Englands einzigem Regenwald der gemäßigten Zone. Von den Ästen der Eichen wehen Pferdehaarflechten im Wind, die ein Indikator für saubere Luft sind.
Die prähistorische Stätte Merrivale besteht aus zwei langen Megalith-Steinalleen (eine davon 263 Meter lang!) und runden Steinkomplexen (Dolmen, Behausungen?).
Twobridges ist ein Straßenknotenpunkt im Dartmoor, mit einem Hotel – und tatsächlich zwei Brücken! Während diese Brücken gemauerte Bogenbrücken sind, ist die Postbridge eine „Clapperbridge“, eine Steinplattenbrücke, die bereits im Mittelalter erwähnt wurde.
Coleton Fishacre
Coleton Fishacre wurde in den 1920er Jahren für die Familie d’Oyly Carte gebaut (Rupert d’Oyly war Besitzer der Savoy-Hotel Gruppe und Opern-Impresario in London). Das Herrenhaus aus lokalem Schiefer wurde nach dem Vorbild der Arts and Crafts Bewegung gestaltet, die Innenräume entsprechen dem damals modernen Art Deco. Die Räume sind sehr lebendig eingerichtet, als würden soeben Gäste erwartet ….
Die Gartenanlage zieht sich ein Tälchen hinunter bis zu einer Meeresbucht, wo die d’Oylys, begeisterte Segler, ein Boot liegen hatten. Der Garten wurde von Dorothy d’Oyly Carte gestaltet und umfasst neben formaleren Teilen Wäldchen mit exotischen Pflanzen und – jetzt im Frühjahr hervorleuchtend – Rhododendren.
Greenway
Greenway war das Ferienhaus von Agatha Christie – ein Familienhaus, das die Vorlieben seiner Bewohner:innen deutlich widerspiegelt: die Sammelleidenschaft, der auf Flohmärkten gefrönt wurde, die Vorliebe für Kuriositäten und die Leidenschaft fürs Gärtnern. Leider regnet es ziemlich bei unserem Besuch, daher besichtigen wir nur das Haus.
Auch wenn Agatha Christie einige Schauplätze ihrer Romane in der Umgebung von Torquay ansiedelt, ist Greenway explizit in „Dead man’s Folly“ der wirklichkeitsgetreu beschriebene Schauplatz.
Buckland Abbey
Buckland Abbey wurde im 13. Jahrhundert als Zisterzienserkloster gegründet. Nach der Auflösung der Klöster durch Heinrich VIII. durch die Gründung der Anglikanischen Kirche wurde es in ein Wohnhaus umgebaut und war im Besitz berühmter Seefahrer wie Sir Francis Drake. Heute ist es ein Museum mit einer Ausstellung über Francis Drake und die vielerlei Nutzungen des Gebäudes im Lauf der Jahrhunderte. Die Gartenanlagen spiegeln einerseits die klösterliche Nutzgartenstruktur wider, aber zeigen auch einen Garten im Stil des Elisabethanischen Zeitalters.
Und damit verlassen wir Devon. Wir überqueren den Tamar und betreten Cornwall – weiter geht’s mit Südwest-England Teil 2.
































































































