Cornwall 2026 – Südwest-England Teil 2

Nach der Überquerung des Flusses Tamar haben wir Cornwall erreicht. Unsere erste Station auf dem Weg zu unserem nächsten Ferienquartier ist das Fischerdörfchen

Polperro

Der Fischfang hat heute keine Bedeutung mehr, aber die hübsche Anlage des Ortes, der sich in einem schmalen Tal zum Meer hin öffnet, zieht zahlreiche Touristen an. Die ehemaligen Fischerhäuschen sind renoviert und beherbergen nun Bed & Breakfast-Quartiere, Geschäfte und Cafés.
Der Ort war für seine Schmugglervergangenheit bekannt, Schmuggeln war an Englands Südküste eine verbreitete Einkommensquelle wegen der hohen Luxussteuern!
Es herrscht gerade Ebbe und im Hafen liegen die Boote im Schlick.

St. Michaels Mount

St. Michaels Mount, eine Gezeiteninsel vor der Südküste Cornwalls, erinnert nicht nur im Namen an Mont St. Michelin der Normandie, das Benediktinerkloster wurde im 11. Jahrhundert auch von den dortigen Benediktinern besiedelt. Wegen der hervorragenden strategischen Lage wurde es bald mit einer Burg erweitert, bis schließlich im Zuge der anglikanischen Reformation und der damit verbundene Auflösung des Klosters der Besitz endgültig in eine militärische Burganlage umgebaut wurde. Seit dem 17. Jahrhundert wohnt die Familie St. Aubyn dort. Die Räumlichkeiten sind in einem Rundgang zu besichtigen – sie werden noch von der Familie genutzt. Die Burgkapelle stammt aus dem 15. Jahrhundert.
Unterhalb der Burg ist ein Terrassengarten mit Sukkulenten angelegt. Der Landschaftspark daneben wurde heuer im Jänner bei einem Sturm verwüstet!
Bei Ebbe erreicht man die Insel zu Fuß über den „causeway“, bei Flut ist ein Boot-Fährdienst eingerichtet.

Weiter geht es zum westlichsten Teil von Cornwall – und England – auf die Landspitze bei Land’s End. Das ist ein touristischer Hotspot mit Vergnügungshallen, die diverse Spektakel verheißen. In der Umgebung, bei Gwennap Head und Gunnards Head ist es ruhiger und man kann die Klippenformationen ungestört genießen. Im „First and Last Inn in England“ trinken wir Kaffee.

Eden Project

Das Eden Project ist ein ehrgeiziges Projekt des Archäologen, Musikers und Anthropologen Tim Smit, der in einer aufgelassenen Kaolingrube multiple Klimazonen der Erde nachbilden möchte. Die Hauptareale sind die beiden großen „Biome“ (Bio-Domes), die in riesigen Plexiglaskuppeln einerseits Regenwälder und andererseits mediterrane Vegetationszonen aus verschiedenen Erdteilen nachbilden. Im Freigelände wachsen Pflanzen des gemäßigten Klimas, auch Gemüse und Obstspaliere. Das Areal wurde 2001 eröffnet – man merkt dem Bewuchs teilweise schon das Alter an. Die Erhaltung ist extrem aufwändig: In den Biomen muss das jeweilige Klima (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Bewässerung, Lichteinfall) permanent erhalten werden. Im Regenwald führt ein Steg hinauf zu den Baumwipfeln, es gibt einen Wasserfall, kleine Straußwachteln wuseln zwischen den Besucher:innen umher. Es werden verschiedene Lehrveranstaltungen und -projekte angeboten und natürlich gibt es auch Restaurants auf dem Gelände.

Lost Gardens of Heligan

Die Wiederinstandsetzung der „Lost Gardens of Heligan“ ist ebenfalls eine Erfolgsgeschichte von Tim Smit: Er ließ den nach dem ersten Weltkrieg in den Dornröschenschlaf versunkenen Park wieder freilegen und machte die vielfältige Gartengestaltung wieder sichtbar: Ein Kamelientunnel führt in den Garten hinein, seltene, direkt aus Samen gezogene Rhododendrenbüsche leuchten in vielen Farben, in einer Schlucht wächst eine veritable Dschungellandschaft mit Baumfarnen, Sequoien und Mammutblattgewächsen, und Nutzgärten samt einer Landwirtschaft sorgen für Erträge. Von Pflanzen überwucherte Skulpturen bieten Überraschungen am Weg.

St Ives

Natürlich darf auch das legendäre Städtchen St. Ives nicht fehlen. Der alte Fischerort hat sich in den 1920er Jahren zu einem Künstler:innen Hotspot entwickelt und gilt als einer der schönsten Orte Cornwalls. Trotz des unbestreitbaren allgegenwärtigen Fokus‘ auf den Tourismus hat er seinen Reiz bewahrt: die pittoresken Straßenzeilen, die Hafenpromenade mit den Cafés und Bars, die kleinen originellen Läden, nicht zuletzt das Atelier und der Garten von Barbara Hepworth lohnen den Besuch!
Wir beginnen unseren Stadtbummel auf dem Friedhof, von dem aus man einen schönen Blick auf die Bucht hat. Dann geht’s hinunter zum Hafen.
Die Kirche ist der kornischen Heiligen St. Ia geweiht und stammt aus dem 15. Jahrhundert. Das Hauptschiff ist mit einem Tonnengewölbe gedeckt. An den Rippenansätzen sind geschnitzte Holzfiguren angebracht, die Heilige und Engel darstellen.
Das Barbara Hepworth-Museum ist in ihrem ehemaligen Wohnhaus untergebracht. Die englische Bildhauerin zog 1939 nach St. Ives, wo sie 1975 starb. Barbara Hepworth ist eine der bedeutendsten britischen Künstlerinnen und prägte die Entwicklung der abstrakten Skulptur maßgeblich. Ihre Werke sind in ihrem Wohnhaus und im Skulpturengarten ausgestellt. Außerdem ist ihr Atelier noch voll eingerichtet bewahrt worden.

Lizard Halbinsel

Der südlichste Punkte von England liegt auf der Lizard Halbinsel: Lizard Point, wo zwei Leuchttürme stehen und die Küste schroffe Klippen, vorgelagerte Felsinselchen und ruhige Sandbuchten bildet. Weiter nördlich liegt die malerische Kynance Bucht, der Sandstrand verschwindet bei Flut.
Das Fischerdörfchen Cadgwith scheint aus der Zeit gefallen zu sein: die reetgedeckten Häuser drängen sich in einem steilen Taleinschnitt zum Meer. Am Strand liegen die Fischerboote, die Fischer sitzen vor dem Bootsschuppen. Sonst scheint das Dorf wie ausgestorben – obwohl hier auch an Touristen vermietet wird.

Trelissick Garden

Trelissick ist ein sehr abwechslungsreicher Garten: Gleich beim Eingang überwuchert ein Blauregen die Mauer entlang eines „Walled Garden“. Die Hauptwiese (Main Lawn) wird von einer riesigen Sicheltanne (Cryptomeria japonica), die 1889 gepflanzt worden war, dominiert. An dessen Rand sind Staudenrabatten aufgereiht. Über eine Brücke geht es in das Arboretum mit exotischen Bäumen und anschließend einem Obstgarten. Richtung des Flusses Fal breiten sich feuchtigkeitsliebende Pflanzen aus und bieten Wege in einer dämmrigen Waldlandschaft. Beim „Tennis Lawn“ hat man eine Sicht bis zum Fluss Fal und sieht das Haupthaus hügelaufwärts. Dort nehmen wir noch einen Lunch zu uns, bevor wir Trelissick wieder verlassen.

Falmouth

Falmouth war eine bedeutende Hafenstadt, besitzt den drittgrößten Naturhafen der Welt und war Ausgangshafen des britischen Paketdienstes („Falmouth Packets“), der Post in alle Welt transportierte. Durch die Lage am Beginn des Ärmelkanals begannen und endeten viele Transatlantikfahrten hier, auch vierzehntägiger Linienschiffverkehr Südamerika verkehrte von hier aus.
Auch heute noch sind Hafen und Werft gut frequentiert, die Haupteinnahmequelle ist aber der Tourismus.
König Heinrich VIII. ließ an der Flussmündung zwei Burgen zur Verteidigung bauen.
2003 eröffnete das Maritime Museum, das eine Ausstellung von legendären oder spektakulären Booten zeigt, die Schmugglergeschichte entlang der Küste nachzeichnet und die Entwicklung des Paketdienstes darstellt.

Bedruthan Steps

Heute nehmen wir Abschied von Cornwall. Ein letzter Blick auf die Bucht von Porthtowan, unserem Übernachtungsort, dann fahren wir die Nordküste Cornwall entlang nach Nordosten.
Unser erstes Ziel sind die Bedruthan Steps, eine markante Küstenformation aus steilen Klippen und Felsen davor. Wie ausgesetzt und gefährlich die Klippen sind, markiert ein Felssturz, der 2019 niedergegangen ist – seither ist der Weg zur Bucht hinunter unzugänglich.

Tintagel Castle

Ein in Cornwall legendärer Ort ist Tintagel – die Burg, auf der angeblich der König Arthur geboren worden ist. Man nimmt an, dass sich hinter König Arthur eine Verschmelzung mehrerer lokaler keltischer Könige aus dem 6. Jahrhundert verbirgt, die gegen die eindringenden Angeln und Sachsen gekämpft haben. Die heute vorhandenen Ruinen von Tintagel stammen frühestens aus dem 13. Jahrhundert, allerdings hat man bei Ausgrabungen die Reste eines Fürstensitzes aus dem 5. bis 7. Jahrhundert entdeckt.
Die Burgruine Tintagel liegt auf einer kleinen Halbinsel, die strategisch günstig ringsum von steilen Felsen begrenzt ist – bis 2019 mussten Besucher:innen zum Meer hinunter- und dann wieder hinaufsteigen, jetzt erleichtert eine Hängebrücke den Zugang.
Im 13. Jahrhundert wurde die Burg von Richard von Cornwall, dem 2. Sohn König Johanns Ohneland (siehe Magna Carta), großzügig ausgebaut – er war einer der reichsten Männer Englands. Durch Küstenerosion versanken Teile der Befestigungen in den nächsten Jahrzehnten und aus dem stattlichen Hauptgebäude wurden ein kleineres zweistöckiges Haus und eine Küche, diese Ruinen sieht man heute.
Die Halbinsel wurde auch landwirtschaftlich genutzt und man vermutet, dass die frühmittelalterlichen Ruinen im Norden solchen Zwecken dienten.
Am höchsten Punkt der Halbinsel steht eine Bronzestatue von Rubin Eynon, 2017 – „Gallos“ genannt (cornisch „Macht“) – es wird bewusst offen gelassen, ob damit König Arthur oder ein anderer der sagenhaften Keltenkönige gemeint ist.

Und damit verlassen wir Cornwall und reisen weiter die Nordküste entlang nach Devon –> Südwest-England Teil 3

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