Südoman Jänner 2026

Nach der schon 19 Jahre zurückliegenden Reise in den Nordoman besuchen wir heuer den Süden und dringen zu den legendären Weihrauchbäumen vor. Diesmal ist es eine von ARR organisierte Fotoreise, geführt von Christine Emberger und Rainer Skrovny, im Gegensatz zum Norden, wo wir mit Mietauto allein unterwegs waren.

Wir beginnen mit einer Stadtbesichtigung von Salalah, der Hauptstadt der südlichsten Provinz des Omans, Dhofar. Salalah ist eine moderne Stadt mit etwa 250.000 Einwohneren, am Arabischen Meer gelegen, von geradlinigen Straßen durchzogen und von üppigen Bananen- und Kokosnussplantagen gesäumt. Berühmt ist die Sultan Qaboos-Moschee, 2009 gestiftet vom vorletzten Sultan, Qaboos, der den Oman in die Moderne geführt hat:

Auch die Markthalle ist relativ modern, es fehlt das Flair eines orientalischen Suqs. Das Angebot ist jedoch weitgespannt und für Mitteleuropäer bestaunenswert: neben den erwartbaren Gemüse-, Obst- und Dattel(!)ständen überwältigt einen die Fischhalle durch ihren Geruch und die riesigen Fische, die im Ganzen oder in Teilen auf Eis gebettet liegen!
Am meisten beeindruckt uns aber die Fleischabteilung, wo man alles buchstäblich alles von Nase bis Schwanz, inklusive der Füße, von Kamel, Rind, Schaf oder Ziege kaufen kann.
Die Frauen im Oman tragen die Abaya, das bodenlange Übergewand, meist in Schwarz, dazu den Hijab, ein Kopftuch, das das Gesicht freilässt, oder den Niqab, den Gesichtsschleier, der bis auf die Augen alles verhüllt. Die männlichen Omani tragen die meist weiße Dishdasha mit der Kumma, der bestickten Kappe, oder dem Massar, einem Tuch, das um den Kopf gewickelt wird. Auf Nachfrage lassen sich viele fotografieren. Hier im Süden sieht man aber auch viele muslimische Gastarbeiter:innen aus Bangladesch, dem Jemen oder Somalia mit deren traditioneller Kleidung.
Von all dem Angebot haben wir Hunger bekommen und essen frische, gegrillte Makrele in einem der Restaurants beim Markt.

Weihrauch

Oman ist das Land des Weihrauchs schlechthin, die Weihrauchbäume, die das Harz liefern, liegen im Landesinneren, wir werden sie später auf der Reise sehen. In Salalah besuchen wir ein sehr informatives Weihrauch-Museum, in dem leider Fotografieren verboten ist.
Am Abend streifen wir durch den Weihrauch-Souq, auch er eine moderne Version mit dichtgedrängten Verkaufslokalen und Neonbeleuchtung. Neben Weihrauch werden auch vielerlei Souvenirs angeboten, da der Markt ein beliebtes Touristenziel ist. Die Weihrauchbrocken werden in unterschiedlichen Qualitäten verkauft, die sich durch die Reinheit und Herkunft des Harzes ergeben. Die Verkäuferinnen sind meist Somalierinnen. Natürlich können wir dem Angebot nicht widerstehen und kaufen ein weiteres Säckchen Weihrauch, zu unseren Vorräten aus dem Jemen und dem Nordoman dazu, nebst weiterem Weihrauchbrenner.

Nun geht es für drei Tage in die Rub al Khali – das „Leere Viertel“, die größte zusammenhängende Sandwüste der Welt! Wir überqueren das Randgebirge (Qaraberge) und fahren nach Norden. Anfangs folgen wir der gut ausgebauten und von LKWs frequentierten Verbindungsstraße in den Nordoman. Noch ein Stopp in Thumrait, ein letzter Versorgungsstützpunkt der Zivilisation (und ein riesiger Luftwaffenstützpunkt gleich dahinter).

An der Straße liegen kreisförmige bewässerte Felder – hier wird Gras für die Kamelzucht angebaut!
In Hanfit biegen wir Richtung NNW ab, wir fahren teilweise quer durch die Wüste, folgen verwehten Fahrspuren bzw. den Wegpunkten von Rainers Navi. Mittagspicknick bei einem Artesischen Brunnen in der Wüste. Unser Quartier, die Empty Quarter Eco Lodge, liegt nur mehr 20 Kilometer südlich der Grenze zu Saudi Arabien – fernab jeglicher Ansiedlung. Die nächsten Tage kosten wir die Wüste und ihre Erscheinungen zu jeder Tageszeit aus! Hier gibt es auch Kamelherden: wie früher ziehen Kamelhirten mit ihrern Herden von Futterplatz zu Futterplatz – nur heutzutage sind die Hirten angestellte Bangladeshi, die mit den Herden ihres Arbeitgebers herumziehen. Sie wohnen auch nicht in Beduienenzelten, sondern in Wohncontainern mit Klimaanlage und Satellitenempfang, die für den Transport zum nächsten Lagerplatz auf LKWs verladen werden. Beliebt sind jetzt auch schwarze (nicht, wie hier einheimisch, sandfarbene) Kamele, die aus Saudi Arabien kommen.

Zurück an der Küste erwartet uns mit der Lagune Kwar al Darziz ein Kontrastprogramm:
Silber- und Graureiher, Flamingos, verschiedene Möwenarten, wie die Hemprichsmöwe, Stelzenläufer, Grünschenkel, Strandläufer,…
Am grasigen Küstenstreifen weiden Kamele die Salzgräser ab.
Die Souly Lodge liegt direkt am Strand, zwischen Kokospalmen.

Die Küstenlandschaft am Arabischen Meer ist spektakulär: schroffe Klippen, endlose weiße Sandstrände

Auch der Fischfang ist mittlerweise in der Hand von Gastarbeitern aus Bangladesh. Wir beobachten in einer Bucht, wie ein Fischerboot hereinkommt, den Fang abwiegt und in am Strand gelagerten Kühltruhen verstaut. auf schroffen Felsen an der Küste suchen Krabben nach Futter.
Ein großer Fischereihafen ist Mirbat, hier liegen neben den kleinen Motorbooten auch Trawler vor Anker. Wieder nutzen wir die Gelegenheit, um frischen Fisch zu essen. Die Altstadt von Mirbat ist heutzutage eine Geisterstadt: die Bewohner siedeln in moderne Wohnungen außerhalb des Zentrums um, die alten Häuser werden dem Verfall preisgegeben.

Im Landesinneren gibt es interessante Bäume: Der Flaschenbaum, Adenium obesum, die rosa Blüten lassen vergessen, dass er in allen Teilen giftig ist!
Am einzigen Standort außerhalb Afrikas stehen hier auch Baobabs.
Das Highlight für uns ist aber der Weihrauchbaum: von den 24 Boswellia-Arten werden nur einige für die Gewinnung von Weihrauch verwendet, weil nur sie die entsprechende Qualität liefern. Im März beginnt die Gewinnung: durch Schnitte in den Stamm tritt das Harz aus, das sich an der Luft zu Tropfen verfestigt. Die erste Ernte (nach einigen Wochen) ist noch minderwertiger Weihrauch, erst im Verlauf der Ernten tritt das begehrte, kostbare helle Harz aus, das größere Tropfen ausbildet. Zwischen den Ernten liegen jeweils einige Wochen. Da sich der Weihrauchbaum bislang nicht im Plantagenanbau züchten lässt und überdies an Gebirgshängen wächst, ist die Gewinnung äußerst mühselig. Der Weihrauchhandel war daher schon immer ein lukratives Geschäft. Die Ausfuhr ging über die Weihrauchstraße ans Mittelmmer überland oder, als das zu unsicher geworden war, über den antiken Weihrauchhafen Samhuram, von wo die Schiffe in den Jemen aufbrachen.

Zurück an der Küste zeigt sich auch im Westen ein abwechslungsreiches Bild: weiße Sandstrände, schroffe Klippen, Brandungshöhlen und sogar ein „Blowhole“, durch das anbrandendes Wasser durch einen Spalt etliche Meter hoch hinaufgepresst wird.

Die Hafenstadt Taqa teilt das Los vieler Küstenabschnitte: es sollen pompöse Resorts entstehen, die westlichen Touristen zum Badeaufenthalt oder reichen Arabern in der Monsunzeit, dem Khareef, als Urlaubsdomizil dienen sollen. Dieser feuchtkühle Zeit ist die Hochsaison für Wüstenbewohner der arabischen Halbinsel, die sich nach Abkühlung sehnen.
Das Fort von Taqa wurde renoviert und als Museum eingerichtet. Es war der Wohnsitz eines Walis, eines Gouverneurs des Sultans.

Zum Abschluss einige Aufnahmen von unserer Hotelanlage Crowne Plaza in Salalah:

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