Oman – der Norden Dezember 2006

Ende Dezember 2006 fliegen wir in den Oman. Eine Individualreise mit Mietauto und vorreservierten Hotels.
Muskat, die Hauptstadt des Oman, präsentiert sich als moderne Stadt, hervorstechend ist die gigantische Sultan Qaboos-Moschee. Die 2001 eröffnete Moschee wurde von Sultan Qaboos gestiftet, sie ist eine der größten weltweit und bietet insgesamt Platz für 20.000 Gläubige. Bereits der Zugang führt über spiegelnde Marmorböden, der große Gebetsraum ist luxuriös ausgestattet, mit einem 70 x 60m großen handgeknüpften Teppich. Auch der Zentralluster ist einer der größten weltweit und mit Swarowski-Kristallen behängt. Die Wände sind mit Mosaiken und handgeschnitzten Türen geschmückt. Als Nichtgläubige dürfen wir zwar hinein, müssen aber auf dem blauen Läufer bleiben.
Der Stadtpalast „Qasr al-‚Alam“ dient nur repräsentativen Zwecken. Er wurde 1972 von Sultan Qaboos erbaut, sein Wohnpalast steht in einem Nachbarort. Sultan Qaboos führte durch Entmachtung seines sehr konservativen Vaters (1970) den Oman in die Moderne und wurde vom Volk sehr verehrt (er starb 2020).
Da Muskat an der strategisch wichtigen Straße von Hormuz liegt, wurde die Hafeneinfahrt mit zwei Forts gesichert, zusätzlich thronen auf den Felsen und Inseln ringsum Wehrtürme und Wachanlagen.
In Muskat wohnen wir im feudalen Grand Hyatt, das direkt am Strand liegt.

Die omanischen Burgen gehen teilweise auf vorislamische Zeit zurück, die meisten stammen jedoch aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sie bestehen aus massiven Lehmziegelmauern mit Wehrtürmen, im Inneren sind sie oft mit Holzschnitzereien verziert.
Auf unserer Rundreise besuchen wir als erstes die Festung Nakhal, 120 Kilometer westlich von Muskat. Nakhal wurde gegründet zur Sicherung der nahegelegenen Oase und der Handelsroute nach Nizwa. Der Festungsfelsen ragt über riesigen Flächen mit Palmenplantagen auf. Die unregelmäßigen Felsen wurden in die Festung integriert, die sich für uns sehr verwinkelt mit Höfen, Durchgängen und Plattformen präsentiert. Es handelt sich um einen typisch omanischen Festungsbau mit Wehrtürmen, Kanonenplattform und den Wohnräumen – getrennt für Frauen und Männer – die jetzt als Museum zugänglich sind. Ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert stammend, ist die heutige Festung aus dem 19. Jahrhundert und wurde 1990 renoviert.

Rustaq war im 17. Jahrhundert Hauptstadt der Yaruba-Dynastie, die Festung hat ihre Wurzeln sogar in vorislamischer Zeit. In ihrer heutigen massiven, kompakten Form wirkt sie sehr wehrhaft.

Nicht weit davon liegt das Fort Al Hazm aus dem Jahr 1711. Ein mächtiger Hauptbau und ein Wehrturm, davor ein Hof. Es wird gerade renoviert.

Es geht jetzt ins Landesinnere, quer durch’s Gebirge durch das Sumail-Wadi. An einer Stelle sehen wir, wie ein Bewässerungskanal das Wadi unterquert und darunter einen Siphon bildet. Im Sumailtal liegen eine Reihe von Oasen, die größte ist Birkat al Bauz. Das Bewässerungssystem, das Faladsch, haben die Perser ins Land gebracht (die Teile des Oman von 6. Jahrhundert v. Chr. bis ins 7. Jahrhundert n. Chr. hinein besetzten). Heutzutage werden die Bewässerungszuläufe stundenweise den einzelen Plantagenabschnitten zugeteilt und dazwischen wieder abgeriegelt.
Wir fahren auf das Hochplateau beim Dschebel Shams (der höchste Berg des Oman mit etwa 3.000 Metern). Zwischen dem etwa 2.000 Meter hoch gelegenen Plateau und dem Gipfel liegt ein rund 1.000 Meter tiefer Canyon, das Wadi Nakhar.

Die Festung von Bahla wird gerade renoviert, man sieht sehr schön, wie schnell die Lehmzigel verwittern, wenn sie nicht regelmäßig verputzt werden.
Im Ort am Fuß der Festung findet ein Viehmarkt statt. Es geht hoch her, die einzelnen Tiere werden lautstark angepriesen, um den Preis wird gefeilscht – ein Stier wie der abgebildete kostet etwa 700 Euro (2006), die Rasse ist kleinwüchsiger als die Rinder bei uns. Die eingekauften Tiere werden am Pickup verstaut.

Die Festung Jabrin, die sich über dem Oasenort Neujabrin erhebt, ist als Wohnschloss im 17. Jahrhundert erbaut worden und gehört zu den schönsten Anlagen im Oman. Holzschnitzereien und bemalte Decken zählen zu den hervorragendsten Ausstattungsmerkmalen.

Nizwa ist ein Höhepunkt unserer Reise aus zwei Gründen: die prächtig ausgestattete Festung und der lebhafte Viehmarkt. Nizwa ist eine alte Handelsstadt, die im 17. ihre Blütezeit hatte, sie war zeitweise auch Hauptstadt des Oman. Bemerkenswert ist der große Hauptturm der Festung, der größte Turm Omans, mit etwa 40 Metern Durchmesser und 20 Metern Höhe, darauf eine Kanonenplattform. Die Räume dienen als Museum und sind teilweise authentisch eingerichtet.
Am Viehmarkt herrscht dichtes Gedränge, die Besitzer führen die widerstrebenden Tiere im Kreis, es geht lautstark her. Die Verhandlungen sind Männersache, wir beobachten aber, dass zuletzt die am Rande sitzende Frau die finale Entscheidung trifft!
Angrenzend breitet sich ein großer Souq aus, auf dem man neben Obst und Gemüse auch diverse Handwerksprodukte kaufen kann.

Ein Ausflug führt uns in die Wüste, in die Wahiba Sands: in Al Mudhaireb treffen wir uns mit Beduinen, die eine kleine TouristInnengruppe in ein Wüstencamp führt. Wir fahren mit unserem Mietwagen, was durch den Sand abseits der Piste Geschick erfordert. Wenn jemand im Sand steckenbleibt, machen die Beduinenführer das Fahrzeug mit Schaufeln, Sandblechen und Abschleppseil blitzschnell wieder fahrbereit! Das Geländeauto hat das Kamel ersetzt und die Beduinen gehen routiniert damit um (solange sie nur in der Wüste fahren, brauchen sie auch keinen Führerschein….).
Wir schlafen eine Nacht im Camp, in Hütten aus getrockneten Palmwedeln (Barastihütten). Natürlich darf auch ein Kamelritt nicht fehlen. Nach dem Abendessen gibt es Musik und Tanz am Lagerfeuer.
Am nächsten Tag gibt es weitere Wüstenfahrtabenteuer – wir fahren sogar eine sehr steil aussehende Sanddüne hinunter!

Nach der Wüste erscheinen uns die grün bewachsenen Wadis mit den Wasserpools noch verlockender, wie das Wadi Bani Khalid.
Die Hafenstadt Sur ist das Zentrum des Dhau-Baus. Dhaus heißen die Segelboote, die rund um den Indischen Ozean im Einsatz sind, sie können verschiedene Bootstypen sein, charakteristisch für alle ist der hochgezogene vordere Teil des Bugs (Vordersteven). Sur war vom 17. bis 19. Jahrhundert (nach Vertreibung der Portugiesen) führendes Handeslzentrum im nördlichen Oman, heute ist es ein bedeutender Fischereihafen.
Am nächsten Tag fahren wir nach einem Abstecher zum Wadi Shab zurück nach Muskat.

Zum Abschluss unserer Omanreise machen wir noch einen Bummel durch den Souq von Mutrah. Die Nachbarstadt Muskats ist das Handelszentrum für den Inlandsmarkt seit dem 19. Jahrhundert, weil es im Vergleich zu Muskat leichter von Land aus zu erreichen war. Die Uferstraße, die Corniche, säumen Handelshäuser aus dem 19. Jahrhundert. Die Fenster und Balkone sind aufwändig verziert mit Schnitzereien und zeugen vom Einfluss Indiens, einem wichtigen Handelspartner.
Der Souq von Mutrah ist ausgedehnt, typischerweise sind auch hier die Läden nach Warenart in Gässchen eingeteilt. Das Hauptinteresse gilt natürlich dem Weihrauchmarkt – wir kaufen einige Säckchen mit Weihrauchkörnern und einen Weihrauchbrenner dazu. Der Weihrauch kommt aus dem Süden Omans. Auf dem Silbermarkt sieht man neben den typischen Krummdolchen auch massiven Silberschmuck. Die Kumma ist die traditionelle Kopfbedeckung der Omaner. Natürlich ist dieser Souq auch ein Touristenanziehungspunkt!

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