Eindrücke aus einem Land, das es so nicht mehr gibt……
An der Jahreswende 2000/2001 waren wir im Jemen, mit einer von Kneissl organisierten Gruppenreise. Schon damals war der Nordwesten Jemens aus Sicherheitsgründen nicht ratsam zu bereisen, aber auch im Süden bekamen wir zweimal Begleitschutz von Polizei und Soldaten, teilweise mussten wir mit anderen Autos im Konvoi fahren. Es waren vor allem Stammesfehden zu fürchten.
Die analogen Mittelformatfotos wurden digitalisiert und bearbeitet.
Wir beginnen unsere Reise in Sanaa, wo sich die jeministische Bauweise der „Hochhäuser“ (sechs- bis achtstöckige Lehmziegelhäuser) aufs Schönste zeigt. Die weißen Fensterumrahmungen und die bunten Glasfenster sind typisch dafür.
Die Männer tragen hier die weiße Dischdascha und ein Sakko darüber, sowie ein rot-weiß kariertes Tuch zum Turban geschlungen. Die traditionelle Bewaffnung ist der Krummdolch, oft in einer schön verzierten Scheide – heute gehört auch ein Gewehr dazu, mit dem in offener Landschaft gern und häufig geschossen wird.
Die Frauen tragen in der Öffentlichkeit die schwarze Abaya (ein Überkleid) und den Niqab, ein Tuch, das Haare und Gesicht bis auf die Augen verhüllt.
Es geht ein Stück die Rub al Khali hinein nach Osten. Marib war einst die Hauptstadt des Reichs von Saba, das auf dem Gebiet des heutigen Jemen von ca. 1000 v. bis 400 n. Chr. bestanden hat. Das Gebiet wurde fruchtbar durch den Bau gewaltiger Staudämme, von denen man noch Reste sieht. Die Lehmziegelhäuser von Alt-Marib verfallen – die witterungsanfälligen Lehmbauten müssen regelmäßig neu verputzt werden!
Das legendäre Wadi Hadrarmaut war Teil der Weihrauchstraße überland – auch im äußersten Osten Jemens wächst der Weihrauchbaum (wie im östlich anschließenden Oman). Reiche Kaufmannsfamilien und Sultane bauten sich im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert prächtige Paläste. Der bekannteste Ort im Wadi Hadramaut ist Shibam, das „Manhattan der Wüste“, mit seinen dicht gedrängten Lehmzieglturmhäusern.
Auf den Märkten wird Kat engeboten, die Zweige und Blätter des Katstrauchs, ein leichtes Rauschmittel, das im Jemen flächendeckend konsumiert wird: man nimmt einige Blätter in den Mund, kaut sie und speichert sie in den Backentaschen, um die stimulierende Wirkung entfalten zu lassen. Wir stellen fest, dass nach dem Ende des Ramadan am Nachmittag die (männliche) Betätigung zum Erliegen kommt, weil die Männer dem nachmittäglichen Katgenuss frönen. Da Kat frisch geerntet konsumiert werden muss, findet sich in jedem Dorf ein Katmarkt.
Die Frauen im Wadi Hadramaut tragen charakteristische spitze Hüte und farbenfroh bestickte Abayas. Die Männer einen karierten Wickelrock zum weißen Hemd.
Über das Wadi Doan und die Hochebene von Djol geht es zur Südküste, dem Golf von Aden. Hier leben die Leute vom Fischfang. In Al-Mukala erleben wir das Zuckerfest am Ende des Ramadan, wo sich am Abend viele festlich gekleidete Familien am Strand und auf den Plätzen zusammenfinden.
Hier ist die Landschaft vulkanisch geprägt, eine Fortsetzung des afrikanischen Grabenbruchs.
Die Westküste Jemens, die schwülheiße Tihama Ebene ist afrikanisch beeinflusst: die Leute leben in Rundhütten und ihre Hautfarbe ist dunkler als im restlichen Jemen. In der alten Universitäts- und Handelsstadt Zabid herrschen niedrige (einstöckige) Häuser vor, die ummauerten Wohnhöfe wirken abweisend.
Der Bergjemen im Westen des Landes liegt im Schnitt 2000 bis 2500 Meter hoch. Er ist fruchtbar und es wird Terrassenfeldbau betrieben: Getreide, Gemüse, Früchte und – Kaffee. Jemen ist zwar nicht das Ursprungsland des Kaffees (der kommt aus dem Hochland von Äthiopien), aber war das Land, das den Kaffeegenuss kultiviert hat – befeuert durch die islamischen Sufis, die dadurch bei ihren Gebetsübungen wach blieben.
Die Turmhäuser sind hier aus dem lokalen Naturstein, teilweise verputzt oder bemalt.
Auf dem Sonntagsmarkt in Suk Ad Dabab bei Taizz handeln die Männer vor allem mit Vieh.
Die Lage der Bergdörfer auf den Felsen und die Terrassenhänge sind atemberaubend!
Zum Abschluss geht es in das Wadi Dar. Dort thront auf einer Felsnadel der Dar al Hajar, der Felsenpalast. Ursprünglich aus dem 18. Jahrhundert, diente der jetzige Bau von 1920 als Sommersitz des damaligen Imam von Jemen und danach als Sitz der königlichen Familie. Die Inneneinrichtung gibt den Wohneindruck eines reichen jemenitischen Hauses wider.
Im Wadi Dar liegt auch der „Hochzeitsfelsen“, wo sich gerne Hochszeitsgesellschaften zum Feiern treffen. Wir haben Gelegenheit, die stolzen Männer beim Tanzen, Musizieren und bei Zielschussübungen mit dem Gewehr zu beobachten.




















































































