Am 4. März 2026 nehmen wir an einem NF12 Fotoausflug teil, der uns ins Burgtheater zu den gerade in Restauration befindlichen Deckengemälden der Stiegenhäuser führte.
Das Burgtheater bietet dazu Führungen an, wobei man auf dem Arbeitsgerüst bis direkt unter die Decke gelangt und die Gemälde ganz nah sehen kann!
Bei unserem Besuch ist das Deckengemälde der rechten Feststiege schon fertig renoviert, das auf der linken Feststiege ist gerade in Arbeit.
Unser Guide nahm uns mit in die Entstehungsgeschichte des Burgtheaters, das als „Deutsches Nationaltheater“ vor 250 Jahren am Michaelerplatz seinen Anfang nahm. Joseph II. förderte nicht nur das Theater, er bestimmte auch, dass Tragödien kein trauriges Ende nehmen durften – die Werke bekamen damals extra einen versöhnlichen „Wiener Schluss“!
Im Zuge des Ringstraßenbaus wurde auch ein neues zeitgemäßes Theatergebäude fällig, das von den Architekten Semper und Hasenauer errichtet wurde.
Die Ausmalung der Decke in den beiden seitlichen Stiegenhäusern ging an die Künstler-Compagnie von Franz Matsch, Gustav und Ernst Klimt und war der erste große Staatsauftrag in Wien für die drei. Die Künstler-Compagnie empfahl sich durch vorherige Aufträge für Theater in Karlsbad, Reichenberg und Fiume, besonders aber durch die Ausstattung der Hermesvilla.
Die Gemälde sind von 1886 bis 1888 entstanden, wobei die acht Gemälde an der Decke vorgegeben waren, die Segmentgemälde konnten die Künstler frei wählen. Außergewöhnlicherweise sind auch die Entwurfszeichnungen zu den Gemälden teilweise vorhanden – was einen schönen Einblick in die akribische Vorzeichnung von z.B. Gustav Klimt erlaubt! Der Auftrag wurde zur vollsten Zufriedenheit Kaiser Franz Josephs ausgeführt, der die Künstler neben dem Honorar mit dem Goldenen Verdienstkreuz auszeichnete – ein enormer Prestigegewinn für die junge Künstler-Compagnie.
Das ikonographische Programm der Gemälde umfasst auf der rechten Seite die Tragödienseite des Theaters mit dem Thespiskarren (Gustav Klimt), einer Antigoneaufführung im Dionysiostheater in Athen (Franz Matsch), „Romeo und Julia“ im Globe Theatre in London (Gustav Klimt) und der Schlussszene aus Molières „Eingebildetem Kranken“ (letzter Auftritt Molières auf der Bühne, Ernst Klimt). Im Segment über dem Eingang der „Altar des Dionysos“ von Gustav Klimt.
Das linke Stiegenhaus zeigt komödiantische Szenen: Der antike Improvisator (Franz Matsch), das Theater von Taormina (Gustav Klimt), Mittelalterliche Mysterienspiele (Franz Matsch) und eine Hanswurst-Szene (Ernst Klimt, vollendet von Gustav Klimt). Im Segment über dem Eingang der „Altar des Apollo“ von Franz Matsch.
Die Darstellungen in den Gemälden wurden von den Künstlern sorgfältig recherchiert und sollen den realen Landschaften bzw. den Überlieferungen entsprechen! Für die Zuschauer:innen auf den Gemälden wurden Bekannte und Verwandte sowie Personen aus der Wiener Gesellschaft porträtiert. In der Hanswurstzene sind Mitglieder der Familie Flöge dargestellt, Katharina Schratt soll die weißgekleidete Gestalt mit Blumenkranz im Haar vor der Sophoklesstatue im Dyonysostheater in Athen sein. Außerdem verewigte Gustav Klimt sich selbst, seinen Bruder Ernst und Franz Matsch als Zuschauer im Globe Theatre.
Die Seiten der Decken sind mit Malereien von Carl Geiger in Grisailletechnik (nur in Grautönen) mit einem ein Goldmosaik imitierenden Hintergrund ausgeführt.
Bei unserem Besuch konnten wir auch einige der ausgestellten Entwurfskartons studieren und durch die Pausengänge mit den Bildnissen berühmter Schauspieler:innen wandern. An den originalgroßen Entwurfskartons sind noch die Lochungen entlang der Linien zu sehen, mit deren Hilfe die Skizze auf den Malgrund übertragen wurden.
Die Gerüstführungen sollen noch bis zu Beginn der Spielsaison 2026/27 stattfinden.


























