Abtei Seckau

Im August 2026 sind wir wieder einmal bei unseren Freunden in Kraubath und nutzen die Gelegenheit zu einer Führung in der Abtei Seckau.
Die Abtei liegt auf einer Hochfläche etwa 200 Meter über dem Murtal am Rand der kleinen Marktgemeinde gleichen Namens. „Seckau“ leitet sich nach der Gründungslegende von lateinisch „secare“, schneiden, ab: dem Adeligen Adalram von Waldeck soll auf einer Jagd die Muttergottes erschienen sein mit dem Auftrag „hic secca“, also an dieser Stelle Holz zu schlagen und den Klosterbau zu errichten. Der ursprüngliche Bauplatz war weiter südöstlich im Tal gelegen.

Tatsache ist, dass das Kloster 1140 gegründet worden ist, von Kanonikern aus Salzburg besiedelt wurde und 1142 auf die Hochebene verlegt worden ist. Die Chorherren bestanden bis 1782, als die Abtei von Kaiser Josef II. aufgelöst wurde. 1883 wurde die Abtei wiederbesiedelt, diesmal durch Beuroner Benediktiner. Die Beuroner Benediktiner zeichnen sich durch besondere Förderung der Künste unter den Mönchen aus.
Die romanische Basilika wurde 1164 geweiht und ist in großen Teilen noch so erhalten. Die ursprüngliche Holzdecke wurde nach einem Brand 1480 durch das heutige Kreuzrippengewölbe ersetzt und in den Rippenfeldern reich bemalt.
Für die Maße des Kirchenschiffs wurde die Einheit 8 Meter verwendet, Länge, Breite und (ursprüngliche) Höhe sind ein Vielfaches davon.
Vor dem Hauptaltar hängt eine überlebensgroße spätromanische bis frühgotische Kreuzigungsgruppe (der gekreuzigte Jesus mit Maria und Johannes), wiewohl der Cruzifixus etwas jünger ist als die Begleitfiguren, ist es die älteste erhalten gebliebene im deutschen Sprachraum (der originale Jesus ist nach wechselvoller Geschichte im Museum Ferdinandeum in Innsbruck gelandet).
Das marmorne Gnadenbild Mariens in der Gnadenkapelle, das auf die Gründungslegende verweisen soll, stammt aus einer venezianischen Werkstatt um 1200 und ist nach byzantinischem Vorbild gestaltet. Es ist in die Altarwand integriert.
In der Gnadenkapelle wurden auch die einzigen erhaltenen Glasfenster in einen neuen Rahmen eingesetzt. Sie stammen vermutlich aus dem 14. Jahrhundert und zeigen Predigt und Märtyrertum des Heiligen Alban von Mainz.


Das Habsburg-Mausoleum im Osten des nördlichen Seitenschiffs ist mit seiner überbordenden Ausstattung ein Paradebeispiel der manieristischen Bildhauerei aus Spätrenaissance bis Frühbarock: Erzherzog Karl II. von Innerösterreich (1564 – 1590) ließ die Kapelle und das Grabmal von italienischen Künstlern für sich und seine Nachkommen gestalten. Es ist als Hommage an die Auferstehung und für die in seinen Landen erfolgreiche Gegenreformation gedacht. Unterhalb der Kapelle liegen nur Karl II. und seine Frau Maria von Wittelsbach begraben (sein Sohn, Kaiser Ferdinand II., ließ sich in Graz neben dem Dom ein eigenes repräsentatives Mausoleum im Barockstil errichten).


Eine weitere Kapelle ist bemerkenswert: Die von Herbert Boeckl ausgemalte Engelkapelle, die die Apokalypse zum Thema hat. Von 1952 bis 1960 entstanden, nimmt das Thema Bezug auf die Gräuel des gerade erst beendeten 2. Weltkriegs. Es ist dem Abt Benedikt Reetz hoch anzurechnen, dass er dem Künstler Gestaltungsfreiheit zugesichert hat und somit eine eindringliche Illustration der Apokalypse des Johannesevangeliums entstanden ist!

Da die Abtei noch ein aktives Kloster (mit derzeit 13 Patres) und außerdem Schulgebäude ist, sind nur einige Bereiche zu besichtigen. In einem Trakt ist ein kleines Museum eingerichtet, das im ersten Raum die Gründung des Klosters mitsamt einer Reliefdarstellung der Gründungslegende zeigt. Im zweiten Raum wird auf die Kirchengeschichte eingegangen, es werden Reste der Grabkapelle derer von Liechtenstein und der Original-Schwertknauf des Schwerts von Karl II. gezeigt, das mit Marmorschneide in seinem Mausoleum verwendet wurde. Im dritten Raum wird auf das Mönchsleben eingegangen. Herausragend sind die Werke des Bruders Bernwart, der über 1.000 Kunstwerke geschaffen hat. Er stammte aus einfachen Verhältnissen und konnte über Vermittlung des Beuroner Klosters eine Kunstgewerbeausbildung machen. Unter anderem schuf er einen Kelch und eine Hostienschale für die Messe anlässlich des Papstbesuchs von Papst Johannes Paul II., aber auch Gemälde, Emaille- und Goldschmiedearbeiten. In diesem Gewerbe bildete er auch Lehrlinge an der Schule aus.

Abgesehen von der Kirche sind die anderen Gebäudetrakte aus der Barockzeit (17. Jahrhundert). Der Klostergarten und Kreuzgang sind Teil der Klausur und nicht zugänglich. Die heutigen neoromanischen Kirchtürme mussten wegen Baufälligkeit der alten im 19. Jahrhundert neu errichtet werden.

Das Kloster beherbergt ein Ganztagesgymnasium für 320 Schüler*innen.

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