Bucklige Welt Oktober 2025

Rosmarie war im Oktober 2025 zur Kur in Bad Schönau. Das Wetter erlaubte zahlreiche Spaziergänge und am Wochenende Ausflüge mit Michael in die Umgebung, in die Bucklige Welt und einen Abstecher nach Bernstein im Burgenland.

Bad Schönau und Umgebung

Die Kurgeschichte von Bad Schönau ist recht jung: Sie beginnt mit der Errichtung eines Ziegelwerks 1904, nachdem der lehmhaltige Boden für gut geeignet befunden wird. Da beim Abbau immer wieder Braunkohlelinsen angefahren werden, plant man 1913 eine Probebohrung zur Kohle-Exploration – dabei werden allerdings keine Kohleschichten, sondern kohlensäurehaltiges Wasser erbohrt, das durch den Eigendruck an die Oberfläche strömt – dieses Wasser begründet die Entwicklung zur Kurgemeinde über die nächsten Jahrzehnte: 1928 als Heilquelle erkannt, wird ein öffentliches Schwimmbad errichtet, Schönau wird eine Sommerfrische-Gemeinde, 1953 wird die Quelle offiziell als Heilquelle erklärt, 1954 wird „Schönau“ in „Bad Schönau“ umbenannt und 1973 zum Kurort ernannt.
Und die Ziegelei? – Nach einigem Auf und Ab mit zwischenzeitlichen Schließungen wird sie 1971 endgültig stillgelegt (und auf dem Ziegeleigrund das Gesundheitsresort Königsberg gebaut).
Der Hutwisch ist mit 896m der höchste Berg der Umgebung, von der Kernstockwarte sieht man weit in die Steiermark, ins Burgenland und bis Ungarn.

Der „Teufelsmühle“ am Hohen Stein mit den beiden Drehfiguren Müller und Beelzebub liegt eine Sage zugrunde, nach der ein armes Mütterchen in einer günstigen Stunde vom Teufelsmüller einen Sack Mehl geschenkt bekommen hatte, der auch noch Goldtaler zutagebrachte! Wohingegen ein habgieriger Geizhals, der davon erfuhr und sich mit Gold bereichern wollte, vom Höllenschlund am Hohen Stein verschlungen wurde. Die kleine Mühle mit den Figuren stammt von 1977.
Das Museumsdorf in Krumbach wurde auf dem Gelände des alten Bürgerspitals (vom Schlossherrn Erasmus von Puchheim im 16. Jahrhundert errichtet) angelegt. Bauernhöfe und Wirschaftsgebäude wie Scheunen oder Mühle aus der Umgebung wurden abgetragen, archäologisch untersucht und im Museumsdorf wieder aufgebaut. Erstaunlich, wie lange sich in der abgeschiedenen und wirtschaftlich wenig prosperierenden Region die alten Lebensweisen gehalten haben, wo selbst Mitte des 20. Jahrhunderts vieles manuell ausgeführt wurde!
In der Galerie einige Eindrücke von dem herbstlichen Hügelland rund um Bad Schönau, auf Spaziergängen, kleinen Wanderungen und Ausflügen gesammelt:

Wehrkirchen in der Buckligen Welt

Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 rückten diese auch nach Mitteleuropa vor und stellten eine ständige Bedrohung für die Bevölkerung im östlichen Österreich dar. Bauten aus Stein boten einen guten Schutz und da in praktisch jedem Ort eine Kirche stand (im Gegensatz zu Burgen etwa), wurden diese wehrhaft ausgebaut: Wehrmauer, Schießscharten, Pecherker, sichere Räume im Dachgeschoß, Zisternen oder Brunnen innerhalb der Mauern wurden angelegt. Im Gefahrenfall suchte die Bevölkerung Zuflucht im Kircheninneren. Mit Etablierung der Kanonen und Feuerwaffen boten die Wehrkirchen nicht mehr genügend Schutz und ab 1700 wurden die Wehranlagen nicht mehr instand gehalten und die Kirchen im Zuge der Gegenreformation barockisiert. Nur durch die Armut der Kirchengemeinden in der Buckligen Welt blieb die Barockisierung eingeschränkt und es sind heute noch einige der Wehranlagen erhalten.

Bad Schönau

Auf dem Riegel hoch über dem Ort gelegen, ist sie von weitem sichtbar. Die frühgotische Kirche war Teil einer Wehranlage, die aus dem „Festen Haus“ (dem heutigen alten Pfarrhof), einer Wallanlage und einem Gutshof bestand. Im 15. Jahrhundert wurde die Anlage mit einer weiteren Wehrmauer um den Friedhof, einer Pechnase, einem Wehrgeschoß über dem Langhaus und einem Brunnen im Kircheninneren weiter ausgebaut. Das monumentale St. Christophoruswandgemälde an der Außenmauer stammt aus dem 14. Jahrhundert. Die Kirche „Peter und Paul“ wurde 1683 von den Türken und 1707 von den Kuruzen angegriffen und teilweise zerstört.

Kirchschlag

Die spätgotische Pfarrkirche in Kirchschlag in der Buckligen Welt stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde später als Wehrkirche ausgebaut. Einzigartig in der Buckligen Welt ist das erhaltene wehrhafte Eingangstor zu Friedhof und Kirche. Der Chor mit Sternrippengewölbe stammt von vor 1480 und wird von drei großen Maßwerkfenstern beleuchtet. Der klassizistische Hochaltar wurde Ende des 18. Jahrhunderts eingebaut und zeigt eine Taufe Christi von 1675 (Johannes der Täufer als Kirchenpatron).

Edlitz

Die Wehrkirche von Edlitz stammt aus der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert und zeigt schon durch die gedrungene Bauweise, dass sie als Wehrkirche konzipiert ist. hier ist auch noch ein Pecherker vorhanden. Das Kircheninnere birgt eine Besonderheit: einen erhaltenen Wehrdachboden mit einer Blockkammer, die als Rückzugsort und zur Sicherung von Wertgegenständen diente. Der Zugang erfolgt über einen gemauerten Laufgang von der Westempore aus. Das quadratische Kirchenschiff wird in der Mitte von einem einzigen Pfeiler gestützt. An der neugotischen Kanzel mit den vier Evangelisten fällt besonders der Evangelist Lukas auf: sein Symboltier, der Stier, erinnert fatal an ein treuherzig blickendes Flusspferd!

Kirchberg am Wechsel

Die Wehrkirche St. Wolfgang steht an einem Hang oberhalb des Ortes, wir können sie nur von außen besichtigen, sie ist eine Filialkirche (die Pfarrkirche liegt weiter in Ortsnähe). Sie stammt zwar ursprünglich aus dem 15. Jahrhundert, wurde aber Ende des 18. Jahrhunderts aufgelassen und teilweise abgebrochen. In den 1860er Jahren und 1920er Jahren wieder hergestellt.

Aspang-Markt

Die mächtige Pfarrkirche mit dem weit heruntergezogenen Walmdach (von 1654) steht auf geschichtsträchtigem Boden: bereits im 9. Jahrhundert wird hier eine Kirche angenommen! Die romanische Saalkirche wurde Ende des 15. Jahrhunderts mit einem spätgotischen Netzrippengewölbe versehen, weitere Umbauten erfolgten bis Mitte des 17. Jahrhunderts. Die neugotische Ausstattung stammt von 1898. Sie ist Johannes dem Täufer geweiht. Der Karner daneben stammt aus dem 13. Jahrhundert und dient heute als Aufbahrungshalle für den Friedhof, der noch rund um die Kirche liegt.

Hochneukirchen

Die frügotische Pfarrkirche zum Heiligen Bartholomäus erhielt an der Wende zum 16. Jahrhundert ein Wehrobergeschoß mit Schießscharten und Spählöchern (in neuerer Zeit zum Veranstaltungsraum umgebaut). Der moderne Zubau stammt von 1982/83 und wird durch große moderne Glasfenster farbenprächtig beleuchtet.

Krumbach

Die barockisierte gotische Wehrkirche St. Stephan enthält ebenfalls ein Wehrobergeschoß von der Wende zum 16. Jahrhundert. Im Modell aus dem Museumsdorf an den Pechnasen erkennbar, dort ist auch der Pecherker zu sehen. Die Altäre stammen von 1719 bzw. 1650 (rechter Seitenaltar St Agatha). Der Chor ist der Turmunterbau und gegenüber dem Hauptschiff stark eingezogen.
Am südöstlichen Ortsrand steht auf einem Hügel die gotische (heutige) Friedhofskirche St. Erasmus.

Bernstein im Burgenland

Wir besuchen dort das Edelserpentin- und Bernsteinmuseum. Der Ortsname „Bernstein“ leitet sich von der Bernsteinhandelsstraße (von der Ostsee zum Mittelmeer) ab, von der ein Zweig hier verlief.
Der Edelserpentin (eine grünschimmernde, dichte Varietät des gemenen Serpentins) wird hier seit 1860 zu Schmuck- und Steinmetzarbeiten abgebaut. Bernstein ist der weltweit einzige Fundort dieses Minerals! Es lässt sich wegen seiner geringen Härte (Mohs’sche Härteskala 2-3) gut bearbeiten und wird im Tagbau neben dem gemeinen Serpentin (für Straßenbauarbeiten) gewonnen.
Im Schaubergwerk des Felsenmuseums werden neben verschiedenen Mineralien auch Modelle und alte Geräte und Maschinen des Bergbaus gezeigt. Schon im Mittelalter wurden hier Kupfer und Schwefelkies abgebaut; andere Ausstellungsstücke stammen aus dem 1991 stillgelegten Antimonerzbergbau Schlaining.
Eine Ausstellung ist dem Edelserpentinschleifer Niko Potsch gewidmet, der in fünfter Generation den Edelserpentin kunstvoll bearbeitet.
Bernsteinprodukte sind ebenfalls zu sehen sowie in einer Sonderausstellung „Kristalle im Rampenlicht“ raffiniert beleuchtete Mineralien.
Die Burg Bernstein ist heute als Hotel geführt und nur für Hotelgäste zugänglich.

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