Im Jänner 2025 gehen wir auf eine Reise mit zwei ganz verschiedenen Schwerpunkten: das hinduistische riesige Kumbh Mela Fest und Tigersafaris in mehreren nordindischen Nationalparks. Beide Erlebnisse hinterlassen einen tiefen Eindruck!
Delhi
Wir starten mit einer Stadtrundfahrt in Delhi, das wir von frühreren Reisen schon kennen, das Qutb Minarett mit der Quwwat-ul-Islam Moschee ist aber neu für uns. Es ist einer der ältesten islamischen Komplexe in Indien, erbaut nach dem Sieg der Moslems über die Hindus, Ende 12./ Anfang 13. Jahrhundert. Das Minarett ist ein frühes Meisterwerk der indo-islamischen Kultur, mit 72 m Höhe ist es einer der höchsten Turmbauten der islamischen Welt. Es besteht aus abwechselnd hellem und roten Sandstein mit einigen umlaufenden Balkonen und Koraninschriften. Daneben stehen die Reste der Quwwat-ul-Islam Moschee, deren Säulen aus Spolien hinduistischer Tempel erbaut wurden – die im Islam verbotenen figürlichen Darstellungen sorgfältig herausgekratzt!
Die Jama Masjid (Freitagsmoschee) in Altdelhi ist gut besucht! Hier ist nicht nur Arme und Beine verhüllende Kleidung erforderlich, sondern auch eine Abaya, das lange Mantelkleid – die einheimischen Frauen haben definitv Kleidsameres an als Rosmarie mit der von der Moschee bereitgestellten Robe!
Altdelhi rund um die Moschee ist wie üblich von Menschenmassen, Motor- und Fahrradrikschas und Motorrädern überfüllt – eindrucksvoll von der Plattform vor der Moschee zu betrachten!
Khajuraho Tempelbezirk
Der Tempelbezirk von Khajuraho ist sehr ausgedehnt – ursprünglich waren etwa 80 Tempel auf 21 km² verteilt. Heute sind noch 20 Tempel vorhanden. Die Tempel stammen aus dem 10. bis beginnendem 12. Jahrhundert (aus der Zeit der Chandela Dynastie, eines lokalen Königtums) und spiegeln die Entwicklung der Tempelarchitektur von kleinen, einräumigen Heiligtümern bis großen, stark in der Höhe gegliederten, mehrräumigen Tempeln wider. Alle stehen auf Plattformen zum Schutz vor Monsunen und wilden Tieren. Ein Teil des Areals ist Jaintempeln gewidmet, die teilweise auch noch aktiv sind. Besonders verbreitet in Khajuraho sind die erotischen Darstellungen an den Außenwänden der Tempel.
Zuerst besuchen wir Khajuraho Ost, wo die Jaintempel stehen. Der Parshwanatha Tempel aus der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts ist einer der ältesten Schreine. Er ist dem Jainlehrer Parshwanatha gewidmet. Der Jainismus ist eine Lehre, die auf strikter Gewaltlosigkeit beruht: es werden keine Tiere gegessen, nichts Tierisches getragen, und Anbau und Ernte sollen möglichst wenige Lebewesen verletzen.
Der Dulhadeotempel in Khajuraho Süd ist Shiva geweiht, der hier in Gestalt des Lingam verehrt wird. Er stammt aus dem 11. bis 12. Jahrhundert. Am Fries sehen wir Nandi, das Reittier Shivas (mit Stierkopf).
Die meisten Tempel stehen in Khajuraho West:
Der Vishnavata Tempel ist Vishnu gewidmet und stammt aus der Blütezeit des Stils von Khajuraho, fertiggestellt um 1.000. Hier kann man die Gliederung in Vorhalle, Hallen, Cella und überragenden Sikhara (Turm) gut beobachten. Außerdem sind die Außenwände reich mit Skulpturen überzogen und mit weiteren Türmchen und Erkern geschmückt. Rechts im Bild der Tempel der Parvati, der Gefährtin Shivas. Dieser Tempel ist stark restauriert.
Der Devi Jagadambi Tempel aus dem 11. Jahrhundert ist der Muttergottheit Jagadamba gewidmet.
Die drei Hauptgötter des Hinduismus sind: Brahma – der Schöpfer, Vishnu – der Erhalter und Shiva – der Zerstörer. Alle drei haben jeweils eine Gefährtin, Saraswati, Lakshmi und Parvati.
Der Skulpturenschmuck der Tempel umfasst drei Hauptthemen: erotische Szenen, sogenannte „Schöne Mädchen“, mit betonten weiblichen Attributen ausgestattet, und Krieger- und Tierfriese (besonders Elefanten). Die Tradtion erotischer Darstellung in hinduistischen und Jain-Tempeln ist einerseits alten Fruchtbarkeitsritualen geschuldet, andererseits der „Vermenschlichung“ der Götter (die als Paare auftreten) und drittens als Gegensatz zwischen hinduistischen Bestrebungen nach Askese und sexueller Freizügigkeit (wie im Tantraismus). Jedenfalls sind sie für die heutige indische Gesellschaft schockierend freizügig!
Khajuraho Ort
Bevor wir Khajuraho verlassen, machen wir noch einen Spaziergang durch den Ort. Er besteht aus drei, den Kasten zugeordneten Ortsteilen: 1. Bauern und Handwerker, 2. Krieger, 3. Brahmanen. Der Reichtum der Kasten spiegelt sich wider in der jeweiligen Höhe und Ausdehnung der Häuser, den mehr oder weniger befestigten Straßen und wieviel Dorfleben sich auf der Straße abspielt. Die Fotos in der Galerie stammen aus dem Bauernviertel.
Kumbh Mela In Prayagraj
Kumbh Mela ist das größte Fest im hinduistischen Glauben und findet im Schnitt nur alle drei Jahre statt.
Wörtlich übersetzt bedeutet es „Fest des Kruges“ und geht auf eine Episode der indischen Mythologie zurück: beim Kampf um den Krug mit dem „Nektar der Unsterblichkeit“ zwischen Göttern und Dämonen wurden vier Tropfen dieses Nektars auf die Erde verschüttet. Diese vier Orte am Ganges werden als heilig betrachtet und feiern abwechselnd alle drei Jahre (bestimmt durch Himmelskörper-Konstellationen) das Fest Kumbh Mela. Prayagraj sticht heraus, weil dort alle 12 x 12 = 144 Jahre die „Große“, die „Maha“ Kumbh Mela stattfindet – das war auch 2025 der Fall.
Im Zeitraum vom 13. Januar bis 26. Februar 2025 versammelten sich Pilger:innen, Gurus, Asketen und Sadhus – Heilige Männer – am „Triveni Sangam“, dem Zusammenfluss des Ganges mit dem Fluss Yamuna (und dem unsichtbaren, mythischen Fluss Saraswati) um ein rituelles Bad zu nehmen, zu beten und an spirituellen Zeremonien teilzunehmen. Mit dem Bad erreicht man nach dem hinduistischen Glauben die Befreiung von den Sünden und die Erlösung vom ewigen Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt. Daher trachtet jeder hinduistische Gläubige, zumindest einmal im Leben an einer Kumbh Mela teilzunehmen.
Zur Kumbh Mela kommen Gläubige aus aller Welt. In diesen sechs Wochen strömten heuer insgesamt an die 600 Millionen Gläubige nach Prayagraj!
Besonders stechen die Naga Babas ins Auge: sie sind nackt, nur mit Asche bekleidet und leben asketisch nach strengen Regeln. Am ersten Hauptbadetag dürfen sie als erste ins Waser, um die rituellen Waschungen vorzunehmen. Sie verehren Shiva, den „Zerstörer“-Gott des Hinduismus, und sind kämpferisch eingestellt, was man auch an ihren Attributen sieht, wie z.B. den Dreizack Shivas.
Sadhus ziehen eine große Anhängerschar an, in Zelten meditieren und beten sie, halten Zeremonien ab und segnen die Gläubigen.
Die Farbe Orange hat im Hinduismus eine besondere Bedeutung: sie wird zu religiösen Anlässen, zu bestimmten Fastenzeiten und Zeremonien getragen. Aber auch Menschen, die sich dem spirituellen Leben widmen, nutzen die Farbe Orange, z.B. Mönche und Sadhus. Auch viele Gläubige tragen festliche, orangefarbene Kleidung bei der Kumbh Mela.
Auf prächtig geschmückten Prozessionswagen ziehen Sadhus mit ihrer Anhängerschar zum Fluss. Es dauert Stunden, bis die Hunderte Wagen das Flussufer erreicht haben. Dabei wird gesungen, getanzt und gebetet.
Für dieses enorme Menschenaufkommen muss auch die nötige Infrastruktur geschaffen werden und dafür leistet die indische Regierung Gewaltiges: am Gangesufer werden Areale für Zelte, Wasser-und Stromleitungen und lange Reihen von Toilettehäuschen aufgebaut. Für die Wohlhabenderen (und westliche Touristen) werden gut ausgestattete Zelte errichtet, die Ärmeren schlafen in improvisierten Behausungen.
Ambulanzwägen und temporäre Spitäler sind über das riesige Areal verteilt und an die 20 temporäre Pontonbrücken überspannen Ganges und Yamuna. Die Zugangswege zu den Flüssen und die Brücken werden bei großem Andrang im Einbahnsystem geregelt, Polizei und Militär sorgen für geregelte Abläufe.
Die Badeareale sind mit Absperrungen aus Plastikbojen in Ufernähe abgeteilt, damit die Badenden nicht von der Strömung mitgerissen werden, dazu sind Rettungsboote mit Hilfskräften rundum vertäut.
Trotz all dieser Vorkehrungen kommt es bei jedem Fest zu Unfällen: beim Ansturm der Gläubigen zu den Badestellen, besonders an den Hauptbadetagen, sind auch heuer wieder Menschen zu Tode getrampelt und viele verletzt worden!
Tigersafaris
Im Laufe der Reise besuchen wir folgende Nationalparks:
– Panna
– Bhandhvargarh
– Kanha
– Pench
An Rotwild sehen wir die weit verbreiteten Axishirsche – typisch mit dem getüpfelten Rücken- , die mächtigen Sambarhirsche und die seltenen Barasinghas, Sumpfhirsche. Auch die massige Nilgau-Antilope können wir beobachten und das Wildrind, das Gaur, sowie asiatische Wildhunde!
Der Höhepunkt sind aber unbestritten die Tigersichtungen: Wir haben das Glück, öfters Tiger zu sehen, teilweise in spektaklurären Situationen, zum Beispiel bei einer morgendlichen Flussüberquerung oder uns auf der Piste entgegengehend, sodass der Fahrer den Safarijeep ein paar Hundert Meter lang zurücksetzen muss, immer verfolgt vom unbeeindruckten Tiger!




































































